Autonome Autos machen in Linz den „Führerschein”
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Autonome Autos machen in Linz den „Führerschein”

Kontrol GmbH: Das oberösterreichische Start-up hat die Technologie, Fahrzeugen die StVO und Höchstgerichtsurteile beizubringen

Intensiv arbeiten weltweit Internet-und Autokonzerne an der Entwicklung des autonomen Fahrens. Ein oberösterreichisches Start-up könnte dafür einen wertvollen Beitrag liefern. „Wir tragen wesentlich dazu bei, dass diese Fahrzeuge überhaupt zugelassen werden“, sagt Michael Naderhirn. Der gebürtige Perger mit Wohnsitz in Maryland (USA) hat vor dreieinhalb Jahren mit Andreas Lauringer und Günther Wiesauer die Kontrol GmbH in Waldhausen gegründet und führt mit Lauringer das Unternehmen, das jetzt in die Linzer Tabakfabrik übersiedelt ist. 15 Mitarbeiter aus neun Nationen und unterschiedlichsten Fachbereichen arbeiten an Systemen, die den autonomen Autos quasi den Führerschein ermöglichen. „Wir können den Gesetzestext einer Straßenverkehrsordnung in digitale Form bringen und lassen Höchstgerichtsurteile einfließen“, sagt Naderhirn. Dabei arbeitet man nicht nur mit Technikern, sondern auch mit Juristen, Sachverständigen und dem TÜV Rheinland in Deutschland zusammen. „Wir verknüpfen Judikatur mit Technik.“ Komplex ist die Angelegenheit deshalb, weil es ja nicht eine einzige StVO für die ganz Welt gibt. Sogar in den USA gebe es je nach Staaten sehr unterschiedliche Vorschriften. „In Kalifornien muss man etwa berücksichtigen, dass sich auf Autobahnen Leichenzüge bewegen dürfen“, sagt der 45-jährige Mechatroniker, der an der JKU in Linz und am MIT in Boston promoviert, an der Universität Los Angeles als Assistent gearbeitet hat und dort schon 2005 mit dem autonomen Fahren in Berührung kam. Mit dem 40-jährigen Linzer Lauringer, der in Graz Maschinenbau studiert, in der Autoindustrie in Schweden, Deutschland und Österreich gearbeitet hat und jetzt für den kaufmännischen Bereich zuständig ist, wurde das Start-up hochgezogen, das unter anderem mit dem französischen Flugzeugkonzern Thales, aber auch mit Bosch oder Magna zusammenarbeitet. „Wichtig ist, dass wir die Kunden in die Entwicklung einbeziehen“, sagt Lauringer. Kontrol entwickelt die Systeme nicht nur für Autos, sondern auch für Fluggeräte und Arbeitsmaschinen. Jeder Paragraph wird geometrisch analysiert und für das Auto aufbereitet. Dadurch sei auch
nicht so viel Rechenleistung erforderlich. „Obwohl es komplex ist, bleibt es dadurch einfach“, sagt Naderhirn. Ziel sei es, „ticketfreie Autos“ zu entwickeln und zu zertifizieren. Letzteres sei eine riesige Herausforderung,
die „unser Thema ist. Wir sind die graue Maus, die man am besten weder sieht noch bemerkt“, sagen Naderhirn und Lauringer. Vertrauen ins Danube Valley Aber wann werden die Autos autonom fahren? „Das wird stufenweise passieren. Zunächst werden sich Stau- und Spurassistenten durchsetzen. Dann das selbstständige Einparken ohne Anwesenheit des Fahrers“, sagt Naderhirn. Autonomes Fahren auf den Autobahnen werde sich früher durchsetzen als in den Städten. In den USA, wo Stanford-Professor Marco Pavone als Unterstützer sitzt, hat das Unternehmen bereits eine Niederlassung. In China soll heuer eine weitere eröffnet werden. Und warum sitzt Kontrol nicht im Silicon Valley? „Was dort möglich ist, sollte auch im Danube Valley möglich sein“, sagt Lauringer und hofft, dass beim autonomen Fahren die Europäer fixer sind als die Amerikaner.

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